Bericht zur Tour
Autor
Duri Deflorin
Erstellt am
10.01.2026 16:44
Letzte Änderung
12.01.2026 6:43
Tourenbericht

Bereits am Dienstag erhalten wir den definitiv Treffpunkt, die Wetterprognosen für Freitag seien gut. Von welchem der tausend Wetterapps diese Info stammt bleibt das Geheimnis von Tourenleiter Micha.
Freitag um 7:05 treffen wir uns im HB Zürich im IC 2. Wir das sind Micha Hensen, Anja Nauer, Sandro Rüegge, Noa Affoltern und Duri Deflorin.
Unterwegs schauen wir zum Fenster hinaus und staunen über das gute Wetter, hat Micha‘s geheimes App doch recht? Jedenfalls freuen wir uns. Pünktlich mit unserer Ankunft auf dem Oberalppass beginnt der Schneefall. Mit dem Pazolastock war das somit. Vom Oberalppass aus fuhren wir zuerst ca. 200hm abwärts dem Vorderrhein entlang, bevor die Felle aufgezogen wurden und der Aufstieg begann. Durch Schneegestöber stiegen wir Richtung Maighelshütte auf. Planten jedoch noch eine kleine detour zur Rheinquelle ein. Während einer kurzen Mittagspause erkundete Micha den Aufstieg und erklärte ihn als machbar. Mit ca. 8 Spitzkehren und ein wenig gekraxel erreichten wir den Tomasee wo es ein ordentliches Stück Panetone als Belohnung gab. Im Anschluss ging es im Schneegestöber mit beschränkter Sicht nochmals ca. 150 Höhenmeter - tönt nach wenig, fühlte sich nach sehr deutlich mehr an - in tiefem Schnee weiter Richtung Martschallücke. Lange hat niemandvon uns das Spuren durchgestanden, was zu vielen Rotationen geführt hat. Nach einer Stunde haben wir den Rückweg angetreten. Die Abfahrt war sehr abenteuerlich insbesondere da die Sicht nach einer kurzen Besserung wieder schlechter wurde. Die Kombination von beschränkter Sicht und unberechenbarer Schneetiefen hat zu einigen lustigen Bekanntschaften mit dem Schnee geführt. Unten angekommen, haben wir nochmals angefellt und den letzten Teil des Hüttenzustiegs in Angriff genommen. Müde und Zufrieden haben uns in der Hütte eine warme Ovi und ein Stück Kuchen gegönnt und so die kurze Zeit bis zum feinen Nachtessen überbrückt. Die Jassrunde im Anschluss brachte Anja und Micha den ersten Sieg ein. Klar war, dass am Samstagabend eine Revanche folgen sollte. Nach einer Besprechung der Lawinensituation haben wir uns dann schlafen gelegt.

Am nächsten Morgen hat es dann ziemlich „gechutet“. Der Wind pfiff um die Hütte und es schneite horizontal. Wir assen gemütlich Zmorge und bereiteten uns anschliessend vor, dem Wetter zu trotzen. Wir folgten dem Tal entlang Richtung Süden. Wir nutzten das schlechte Wetter um Lawinentheorie und Spurenlage zu repetieren und gleich in der Praxis anzuwenden. Eindrücklich was man alles aus CT, ECT und Schneeprofilen lesen kann. Wir wechselten uns regelmässig ab im Spuren legen, da dies im Knie tiefen Neuschnee ziemlich streng war. Dabei zeigte dich dass unter den anwesenden lauter „Maschinen“ waren. Aufgrund der schlechten Sicht arbeiteten die Maschinen nicht immer in effizientester Richtung, aber dafür umso motivierter. Wir steuerten in Richtung Tgiern Ravetsch und umsteuerten und entschärften dabei Lawinenhänge. Die Sicht wechselt ständig von schlecht zu etwas weniger schlecht und auf ca. 2600 müm entschieden wir uns die Rückkehr zur Hütte anzutreten. Nach einigen lustigen Hänge mit viel Schnee freuten wir uns schon fest auf den Kuchen in der Hütte. Vor dem letzten Aufstieg zur Hütte gab es als Leckerli wiederum ein Stück Panetone.
Zur Überbrückung der Zeit bis zum Abendessen gab es nun die zweite Jassrunde, wobei dies nicht viel mit einer Revanche zutun hatte sondern eher mit einer zweiten kläglichen Niederlage für Sandro und Duri. Hart war natürlich die erste Runde, wobei Anja und Micha bereits ~700 Punkte holte. Erwähnen darf man aber doch, dass der Rückstand gering war. Vom Hüttenteam wurden wir mit einem erneuten exzellenten Abendessen - Spaghettata verwöhnt. Mit einem guten Glas Rotwein, schlummerten dann bald alle eingerollt in ihren Betten. Am nächsten Morgen ging es dann dank zeitweise besseren Sichtverhältnissen zügig los in Richtung Badus. Auf Tip des Hüttenwartes wussten wir, dass es einen abgeblasenen Rücken gibt, auf dem wir trotz hoher Lawinenstufe (3+) sicher aufsteigen konnten. Beim einsteigen in den Kegel unterhalb vom Gipfel löste Noa eine Lawine oberhalb aus, glücklicherweise ohne schlimmere Konsequenzen.
Wir nahmen dies als Anlass um abzufällen und den Rückweg unter die Bretter zu nehmen. Bis ins Tal konnten wir einige schöne Hänge geniessen. Der Weg aus dem Tal musste zumindest zu Beginn nochmals verdient werden, reichte das Gefälle doch nicht zum Fahren, aber wiederum wechselten wir uns im Spuren ab. Auch talauswärts löste Mich erneute eine Lawine aus, auch hier ohne Konsequenzen. Selbst der Hüttenwart Mauro, welcher mit dem Quat abwärts auf dem Weg war, war überrascht vom Ort des Lawinenabgangs. Dankbar für seine gelegte Spur, wenn auch noch mit viel Stockeinsatz, kamen wir bald mit müden Armen in Taschmut-Selva an. Der Weg bis zum Bahnhof, musste mit einem letzten steilen Aufstieg zu Fuss überwunden werden. Die Heimfahrt war durchwachsen: Genügend Platz im Zug, aber die erhoffte Wäihe in Göschenen war geschlossen und der Zug endete unerwartet in Arth-Goldau. Mit ein wenig Chips verbrachten wir die Zeit bis der nächste Zug Richtung Zürich kam. Kaum eingestiegen kam die Durchsage, dass der Zug wegen eines medizinischen Notfalls noch nicht losfahren kann. Tatsächlich rollte der Zug dann um 16.00 Uhr endlich los. Wir hoffen dieser schafft es bis Zürich…
Der Bericht wurde in einem Gemeinschaftswerk von allen Teilnehmenden auf der Heimreise geschrieben.
Ein herzliches Dankeschön an Micha, unseren super Tourenleiter - es war mega cool!