Bericht zur Tour
Autor
Duri Deflorin
Erstellt am
23.03.2026 6:54
Letzte Änderung
29.03.2026 13:49
Tourenbericht

Das Engadin hat unterdurchschnittlich Schnee. Roger entschied deshalb, mit der Organisation der vier Tourentage nochmals bei Feld eins zu beginnen und wählt die Gemmilodge als Basis. Einziger Wermutstropfen, auf der Bahnlinie nach Goppenstein gibt es an diesem Wochenende besonders viele Baustellen, was die Anreise verlängert.
Aber von vorne. Im Verlauf der Woche haben wir, das sind Corinne, Esther, Nicole, Jörg D., Georg, Peter H., Peter F., Jörg S. und Duri, von Roger und Johanna bereits die Packliste und weitere Informationen erhalten.

Tag 1
Wir treffen uns um 6:30 Uhr in Bülach. Esther, Nicole und Jürg D. mussten kurzfristig absagen. In Bern stösst Johanna zu uns, nun sind wir komplett. Via Wiler im Lötschental geht es nach einem Kaffeehalt mit mechanischer Unterstützung (Seil- und Sesselbahn) aufs Hockenhorn. Bis jetzt läuft alles rund und wir sind optimistisch für den weiteren Verlauf. Die Ratrakspur zum Lötschenpass lässt sich stellenweise vor lauter Triebschnee nur erahnen. Zum Glück werden keine Stilnoten verteilt. Mehrere von uns betrachten den Schnee aus nächster Nähe - näher als geplant. Zum Glück ist er weich. Bei der Lötschenpasshütte fellen wir an. Los geht’s Richtung Gitzifurggu, leider kaum 10 Meter weit. In der ersten Mulde stützt sich Jörg zum Bremsen mit einem Stock ab und renkt sich dabei die Schulter aus. Also zurück zur Lötschpasshütte. Hier wird klar, Jörg braucht professionelle Hilfe. Kurze Zeit später schwebt die Air Zermatt ein und nimmt Jörg an Bord. Drei Stunden später wird uns Jörg informieren, dass die Schulter wieder eingerenkt und er auf dem Heimweg vom Spital sei.
Kurz vor ein Uhr starten wir erneut Richtung Gitzifurggu. Bevor es steil wird, ziehen wir die eine oder andere Kleiderschicht aus, ab jetzt heisst es Entlastungsabstände einzuhalten. Nach nicht mal einer Stunde stehen wir auf dem Übergang. Den höchsten Punkt wollen wir natürlich auch noch erreichen. Roger zeigt erste Ermüdungserscheinungen - vielleicht sind wir hinten auch einfach ungeduldig - und so schickt Georg kurzerhand Duri nach vorne. Nun wird die Spur wieder etwas steiler und schneller. Oben angekommen geniessen wir die Aussicht, das Fotoshooting sowie unseren Lunch.
Die Abfahrt hat’s in sich. Die Triebschneeansammlungen sind sehr unregelmässig. Einmal wenige Zentimeter, danach gleich wieder hüfttief. Die Anforderungen an das skifahrerische Können sind sehr hoch und nicht immer erfüllen wir diese, was zum einen oder anderen Taucher führt, zum Glück passiert nichts ernsthaftes. Unten angekommen nehmen wir die Seilbahn auf den Gemmipass, unsere Basis für die nächsten Tage.
Nach einer erfrischenden Dusche geht es in den Apéro und bald darauf wird schon das feine Nachtessen serviert. Der heutige Tag hat uns erstaunlich müde, gemacht und wir gehen zeitig ins Bett.

Tag 2
Wir starten den Tag mit einem feinen, reichhaltigen Frühstücksbuffet. Hier erfahren wir, dass die gestrigen Stürze doch ernsthafte Konsequenzen haben. Peter H’s Knie zwingt ihm zum Abbruch dieser Tourentage. Corinne entscheidet sich aufgrund ihrer Schmerzen in der Schulter zumindest einen Tag auszusetzen.
Somit sind wir fünf, die kurz nach 8 Uhr Richtung Daubenhorn losziehen. Zuerst geht es noch einige Meter runter, danach einige hoch und jetzt flach das Tal einwärts, bevor es linkerhand die Hänge hochgeht. Es sieht so aus, als wären wir heute die Ersten, die das Daubenhorn in Angriff nehmen. Der Schnee sieht vielversprechend aus. Wir freuen uns bereits jetzt auf die Abfahrt. Mit der einen oder anderen Pause, mal ziehen wir eine Jacke aus mal eine an, erreichen wir das geschützte Skidepot. Wir montieren die Steigeisen und machen uns bereit für die letzten Meter zu Fuss zum Gipfel. Da Peter seine Steigeisen zu Hause gelassen hat, beschliesst er im Skidepot auf uns zu warten. Roger und Johanna führen uns mit einer kurzen Kraxelpartie sicher zum Gipfelkreuz. Einige Minuten Geduld werden durch ein Aufklaren des Himmels und einer tollen Rundumsicht belohnt. Nach den obligatorischen Fotos geht es zurück zum Skidepot.
Ein kurzer Snack, umstellen auf Abfahrt und wir sind bereit für den Gipfelhang. Diesen fahren wir einzeln runter, umfahren eine Mulde und stehen nun vor perfekten Hängen. Noch kurz auf das richtige Wetterfenster warten, denn in der Zwischenzeit hat sich eine Wolke vor die Sonne geschoben. Jetzt können wir es einfach geniessen. Allzu rasch erreichen wir über nahezu unverspurte Hänge mit perfektem Schnee den Talboden, wo wir essen.
Da es noch zu früh für den direkten Weg nach Hause ist, legen wir eine zusätzliche Linksschlaufe ein. Das nennt sich dann Skiwandern. Es ist ca. 15 Uhr als wir zurück in unserer Unterkunft sind. Duschen, Kaffee und Kuchen, jassen, fachsimplen, Apéro und Nachessen geniessen, bereits gehen wir voller Vorfreude ins Bett.

Tag 3
Beim Frühstück informieren uns Johanna und Roger, dass das Wetter für heute sehr gut aussieht sowie was wir alles mitnehmen müssen: Gstältli, Karabiner und Schlinge. Ein Seil wird auch noch verteilt.
Den ersten Teil des Weges Richtung Wildstrubel kennen wir bereits. Vor der Steilstufe unterhalb der Lämmernhütte montieren wir die Harscheisen, ein guter Entscheid, wie sich zeigen wird. Wir lassen die Lämmernhütte rechts liegen und steuern den Gletscher an. Unterhalb von diesem ziehen wir, für den Fall der Fälle, die Gstältli an und sichern die Rücksäcke mit einer Schlinge oder so.
Nun geht es - je nach Ansicht, mehr oder weniger gemächlich - den Gletscher bis zum Sattel unterhalb des Wildstrubels hinauf. Ein Riegel essen, eine zusätzliche, winddichte Kleiderschicht anziehen und bereits nehmen wir die letzten hundert Höhenmeter in Angriff. Punkt 12 Uhr erreichen wir den Gipfel des Wildstrubels, der seinem Namen Ehre macht. Da kommt selbst Drei-Wetter-Taft an seine Grenzen. Die Felle ziehen wir auf den Knien ab, das Geniessen der Aussicht fällt eher kurz aus.
Den Gipfelhang geht es steil und hart auf den Gletscher hinunter. Den unverspurten Pulverschnee auf dem Gletscher geniessen wir ausführlich. Johanna führt uns durch eine knackige Lücke ab dem Gletscher, in weitere schöne Hänge voller Tiefschnee. An einer schönen Stelle beschliessen wir, dass es Zeit für das Mittagessen ist. Via Lämmernboden geht es flach zurück zur Gemmilodge. Den letzten Anstieg wiederum als Skiwandern auf einer eigenen Route, mit einigen Auf und Abs. Die Karte hätte es uns verraten. Heute geniessen wir Kaffee und Kuchen vor dem Duschen, den Apero danach.
Beim betrachten der Wetterprognose wird rasch klar, morgen wird es windig. Bis wann die Seilbahn fahren wird, kann uns das Seilbahnpersonal noch nicht sagen. Wir beschliessen deshalb morgen auf eine Tour zu verzichten und zeitig die Heimreise anzutreten. Das Risiko auf dem Gemmipass festzusitzen wollen wir nicht eingehen.

Tag 4
Ein letztes Mal geniessen wir das reichhaltige Frühstücksbuffet und gönnen uns einen zusätzlichen Kaffee, vor 9 Uhr fährt keine Seilbahn. Der Rest ist Geschichte.

Vielen Dank, Johanna und Roger, für die Organisation dieser wunderbaren Tourentage! Wir freuen uns bereits auf die nächste Ausführung.